Ökumene

Gemeinsam zum Abendmahl!


Liebe Leserinnen und Leser,
immer wieder werde ich danach gefragt, wie ich denn zum Wunsch vieler Gläubiger nach einer gemeinsamen Feier des Abendmahls stehe.
Persönlich teile ich diesen Wunsch unbedingt. In der Evangelischen Kirche geht das!
Die Evangelische Kirche lädt offiziell alle Christen ein, am Abendmahl teilzunehmen, auch uns Katholiken!
Schließlich verbindet uns der Glaube an Jesus Christus, der aus der Heiligen Schrift zu uns spricht und sich uns beim Abendmahl schenkt mit Leib und Blut, mit seiner ganzen Existenz. Und in der Katholischen Kirche?
Immerhin weiß man ja, dass Papst Franziskus und Kardinal Marx sehr ökumenisch eingestellt sind; und doch ist bekannt, dass es innerhalb der Katholischen Kirche gegen eine gemeinsame Feier des Abendmahls noch immer deutliche Vorbehalte gibt.
Mit weitem Herzen und klarem Verstand …
Ganz gleich, wie man zu den Lehrtraditionen in den verschiedenen christlichen Bekenntnissen steht, kann man doch gemeinsam feststellen: Beim Letzten Abendmahl zeigt uns Jesus Christus seine ganze Liebe und offenbart damit das unermesslich weite Herz des Vaters im Himmel. Deshalb kann man vom Geschenk des Abendmahls bzw. der Eucharistie nicht groß genug denken. Und niemandem – ob evangelisch, reformiert, orthodox oder katholisch – ist es möglich, das heilige Geheimnis in seiner ganzen Fülle zu verstehen. Es geht um weit mehr, als wir je darüber sagen könnten.
… können wir uns angemessen verhalten.
Das Vermächtnis Jesu besteht darin, dass seine Jünger „eins sein“ sollen (s. Joh 17,11.21).
Die Spaltung der Jüngerschaft ist nicht im Sinne des Herrn. Sie geht wohl darauf zurück, dass wir Menschen immer wieder der Versuchung erliegen, zu klein zu denken und uns zu eng zu verhalten. Jede Spaltung der Jüngerschaft ist ein Skandal und ein Unglücksfall, bei dem alle Beteiligten zugleich Schuldige und Leidtragende sind. Wie verhalten wir uns nun angemessen? – Mit weitem Herzen und klarem Verstand!
In der Katholischen Kirche gibt es nicht nur „eherne Grundsätze“…
Aufgrund der katholischen Kirchendisziplin kann ich leider nach wie vor weder die evangelischen Christen, die an der katholischen Messfeier teilnehmen, offiziell zur Heiligen Kommunion einladen, noch die katholischen Christen ermuntern, zum Evangelischen Abendmahl zu gehen.
… sondern auch eine „herrliche Inkonsequenz“!
Ein evangelischer Pfarrer sagte einmal: „Ich bewundere die katholische Kirche, denn sie hat einerseits klare Grundsätze, und anderseits leistet sie sich immer wieder eine „herrliche Inkonsequenz“. – Was dieser Pfarrer als Inkonsequenz bezeichnet, ist letztlich das Ergebnis einer vernünftigen Abwägung zwischen unterschiedlichen Werten und Idealen. Wenn man im alltäglichen Leben ein Ideal nicht einhalten kann, ohne dabei ein anderes hintan zu stellen, soll man sich stets für das höherrangige Ideal bzw. für das „kleinere Übel“ entscheiden.
Die Kunst gerechter Abwägung
Auch hier konkurrieren zwei Werte: Die Liebe zu den Menschen und die Disziplin in der Kirche. Das Höhere ist die Liebe! Es wäre lieblos, einen Menschen, der sich beim Gottesdienst zum Kommunionempfang angestellt hat, zurückzuweisen. Lieber soll man die Heilige Kommunion reichen, auch wenn man weiß, dass der betreffende Mensch nach den geltenden Regeln eigentlich nicht zur Kommunion gehen sollte. Wichtig ist aber, dass wir Seelsorger Wert und Sinn dieser Regeln immer wieder erklären. Dann mag sich jeder selber ein Urteil bilden und entscheiden, wie er sich verhalten will.
Konsequenzen für die katholische Abendmahlspraxis
Über das, was sich beim Kommunionempfang zwischen Christus und dem einzelnen Gläubigen ereignet, kann und brauche ich als katholischer Priester nicht zu urteilen. Allerdings bin ich überzeugt, dass Gott ein viel weiteres und freieres Herz hat, als ich Mensch es je haben könnte.
Deshalb setze ich mich lieber der Kritik aus, zu großzügig zu sein, als dass ich mich in Ausübung meines Dienstes kleinlich verhielte.

Mit herzlichen Grüßen aus der katholischen Nachbarschaft,
Ihr Peter J. Vogelsang, Pfarrer