Geistliches Wort

September 2020

Liebe Gemeinde,

Bitte Abstand halten!
Warn und Hinweisschilder mit diesen Worten begegnen uns in den letzten Monaten tagtäglich.
Abstand halten – Es ist auch ein Gebot, dass wir bei Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen beachten müssen.
Abstand halten ist fast schon zur Normalität geworden, obwohl es völlig unserem menschlichen Sein, dem Wunsch nach Nähe und Geborgenheit, dem Gefühl der Zugehörigkeit widerspricht.
Es widerspricht auch unserem christlichen Miteinander und dem was Jesus uns vorgelebt hat, indem er auf alle Menschen zugegangen ist. In der Bibel in der Übersetzung nach Martin Luther finden wir das Wort Abstand lediglich ein einziges Mal im Alten Testament in Josua 3,4. Der Begriff Distanz kommt sogar überhaupt nicht vor. Das Wort Nähe hingegen finden wir 221 Mal in der Bibel.
Diese einfachen Zahlenspiele zeigen für mich ganz klar, was Gottes Wunsch für uns Menschen ist. Er ist ein Gott, der die Nähe zu seinem Volk, zu uns Menschen sucht, er ist kein Gott, der unnahbar und distanziert ist, und von ihm kann uns keine Mauer, kein Gebot, kein Gesetz fernhalten.
Liebe Gemeinde, in diesen bewegten Zeiten in denen wir uns gerade befinden, tut es gut sich dies immer wieder vor Augen zu rufen, wenn sich Gedanken breit machen, wie z.B.: Wie lange noch? Wird das jetzt ewig so bleiben? Wird es jemals wieder so, wie es einmal war?
Es sind Gedanken, die uns vielleicht auch beängstigen. Aber was für die Menschen damals schon galt, gilt uns auch heute noch:
„Macht euch keine Sorgen um euer Leben, ob ihr etwas zu essen oder zu trinken habt,
und um euren Leib, ob ihr etwas anzuziehen habt! Das Leben ist mehr als Essen und Trinken, und der Leib ist mehr als die Kleidung! Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte – aber euer Vater im Himmel sorgt für sie. Und ihr seid ihm doch viel mehr wert als Vögel!“ (Matthäus 6, 25-26).
Das Volk Israel ist durch viele Krisen gegangen, obwohl Gott es als sein auserwähltes Volk sah, die Menschen zur Zeit Jesu und die ersten Christen mussten einiges durchstehen. Auch wir in Deutschland haben schon viele Krisen und Katastrophen überstanden, und ich bin überzeugt, dass es auch dieses Mal so sein wird, und dass unsere Freude, wenn wieder Normalität einkehrt umso größer sein wird!
Bleiben wir einander zugewandt, halten wir fest an Gottes Liebe und seinen Zusprüchen und seien wir für einander da, auch wenn wir kleine Abstände überbrücken müssen
„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Röm. 8, 38-39).
Diese Gewissheit und Gottes Segen wünsche ich Ihnen allen für die kommenden Wochen und Monate!

Ihr Religionspädagoge Jakobus Launhardt

Mai 2020

Liebe Gemeinde,

Glitzernde Seifenblasen zogen vor meinem Fenster vorbei. Ein Mädchen aus der Nachbarschaft stand im Garten und blies sie in die Luft.
Wie wunderschön! Schillernd in Regenbogenfarben stiegen die Seifenblasen in den Himmel – und zerplatzten. Leider - Aber so ist das nun mal mit Seifenblasen...
Wie Seifenblasen zerplatzen in diesen Wochen viele Träume …
... von einer sicheren Existenz, von beruflichen Erfolgen, von fröhlichen Festen mit der Familie und mit Freunden, von Reisen an wunderschöne Orte ...
Auch in unserer Kirchengemeinde sind viele Träume zerplatzt. Nur ein paar Beispiele: Der Kirchenchor hatte monatelang für die Stunde der Passion am Karfreitag geprobt, die Jugendlichen warteten schon sehnsüchtig auf die Übernachtung in der Osternacht, einige Paare wollten eigentlich in den nächsten Wochen fröhliche Hochzeitsfeste feiern und viele Familien planten die Taufen ihrer Kinder. Im Kindergarten wurde eine Maifeier vorbereitet, viele Kinder und Jugendliche haben sich schon auf unsere Sommerfreizeiten gefreut und die Konfirmandinnen und Konfirmanden auf ihre Konfirmationen …
Alles abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben!
Und wie sieht es bei Ihnen aus, liebe Gemeindeglieder?
So viele Träume zerplatzen wie Seifenblasen!
Doch ohne Träume, ohne Sehnsucht und Hoffnung können wir nicht leben! Wir brauchen die Hoffnung, dass irgendwann unser Leben wieder so möglich ist, wie wir es vor der Corona-Krise noch für selbstverständlich hielten.
Menschen in Krisensituationen brauchen Hoffnung.
Menschen, die an Gott glauben, halten an der Hoffnung fest und bekommen dadurch neue Kraft.
In einem Psalm im Alten Testament wird das so ausgedrückt:

„Wir werden sein wie die Träumenden. Unser Mund wird voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Dann wird man sagen: Der Herr hat Großes an ihnen getan! ... Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten“ (Psalm 126)
Wir gehören als Christen zu einer Gemeinschaft der Hoffnung.
Wir glauben an Jesu Christus, in dem die Hoffnung für uns Mensch geworden ist. Und wir feiern seinen Lebensweg, der in der Klage, in der Hoffnungslosigkeit, im Tod zu enden scheint. Doch mitten in der Trauer und der Hoffnungslosigkeit der Grabesstille verkünden wir an Ostern die Auferstehung Jesu, die Hoffnung auf ein neues und erfülltes Leben.

Im Römerbrief des Paulus heißt es (Übersetzung der Guten Nachricht):
„Unsere Hoffnung aber wird uns nicht enttäuschen. Denn dass Gott uns liebt, ist uns unumstößlich gewiss. Seine Liebe ist ja in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat.“
Ich hoffe, dass wir in unserer Gemeinde - auch in diesen „kontaktarmen“ Zeiten - Gemeinschaft erleben können, dass wir Freude und Leid teilen, dass wir einander trösten und einander im Glauben und in der Hoffnung stärken können.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie als Christen in der Hoffnung leben können.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht aufhören zu träumen und Ihrer Sehnsucht Raum zu geben.
Ich wünsche Ihnen die Erfahrung von Gottes großer Kraft und grenzenloser Güte und herrliche Freude im Dasein als Kinder Gottes.

Gehen Sie mit Gottes Segen durch diese Zeit und bleiben Sie gesund!
Ihre Pfarrerin Elke Stamm

Februar 2020

Liebe Gemeinde,

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9, 24)
Dieser Satz aus einer Heilungsgeschichte, wird uns im Jahr 2020 als Jahreslosung begleiten.
Nicht nur eine Heilungsgeschichte, eigentlich eine Glaubensgeschichte, aus der dieser Satz stammt. Ein Vater bringt seinen Sohn, der unter epileptischen Anfällen leidet, damit er von Jesus geheilt wird – es ist seine letzte Hoffnung. Zuerst trifft er nur auf die Jünger, die dem Jungen nicht helfen können.
Als Jesus zurückkehrt, trifft er auf eine Menschenmenge: seine Jünger, Schriftgelehrte, die mit ihnen streiten, Schaulustige und mittendrin der verzweifelte Vater mit seinem Sohn. „O du ungläubiges Geschlecht…“, schimpft Jesus und wendet sich dann dem Vater zu. Der bittet ihn: „Wenn du aber etwas kannst,
so erbarme dich unser und hilf uns!“, bittet er Jesus. Jesus erwidert: „Du sagst: wenn du kannst – alle Dinge sind möglich, dem, der da glaubt.“ Darauf reagiert der Vater mit dem Satz, der zur Jahreslosung geworden ist: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Schließlich heilt Jesus den Jungen.
Glaube und Zweifel liegen ganz nah beieinander, das erzählt uns der Evangelist Markus mit dieser Geschichte. Ich treffe oft auf Menschen, die zweifeln, ob sie genug glauben. Und ich versuche ihnen Mut zu machen: Glauben bedeutet nicht, ein Wissen, ein Vertrauen, das man einmal gefunden hat und dann für immer besitzt. Glauben, das bedeutet, sich auf die Suche zu machen, nach dem was uns im Leben tragen kann, nach dem, auf was wir vertrauen können.
Und auf diesem Weg des Glaubens, da gibt es Momente, in denen wir mehr zweifeln als glauben, und es gibt andere Momente, in denen wir mehr glauben als zweifeln. Und wieder gehört beides zusammen.
Unsere Glaubensbiografien verlaufen nicht einfach gradlinig, sie gehen oft verschlungene Wege.
Und das ist gut so. Denn Glauben bedeutet ja auch, sich dem Vertrauen zu Jesus, zu Gott, ganz persönlich zu nähern. Da geht es um meine Geschichte mit Gott –und die kann ja ganz anders sein,
als die Geschichte, die eine andere Person von ihren Erfahrungen mit Gott erzählt. Und so sind die Wege, die wir im Glauben gehen, ganz unterschiedlich. Ich denke an die 50-jährige Frau, die mich beim Beerdigungsgespräch für ihre Mutter bat, sie noch zu konfirmieren. Als Jugendliche wollte sie nicht konfirmiert werden, aber jetzt war es ihr wichtig, das nachzuholen. Oder an den Konfirmanden, der sich schließlich dazu entschieden hat, sich nicht konfirmieren zu lassen – obwohl es seinen Eltern sehr wichtig gewesen wäre – weil er in seiner Auseinandersetzung mit der Religion festgestellt hat, dass er sich den Ideen des Buddhismus näher fühlt. Oder an die junge Mutter, die ihr Kind taufen lassen wollte – und selber wieder in die Kirche eintreten. Sie hatte in jüngeren Jahren in einem evangelikal geprägten Umfeld gelebt und ihren Glauben als unzulänglich erlebt und war deshalb aus der Kirche ausgetreten. Glaube und Zweifel gehören zusammen. Christ sein bedeutet für mich nicht, Glauben zu haben, sondern auf der Suche zu sein, mich auf den Weg zu machen, mich mit Jesus Christus auseinanderzusetzen, wie der Vater in der Geschichte.
Es bedeutet für mich, meine Zweifel auszusprechen, aber genauso, Vertrauen zu wagen. All das fasst die Jahreslosung wunderbar zusammen:
„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Wie schön, dass uns dieser Satz ein Jahr lang begleitet.

Ihre Pfarrerin Sabine Sommer

Oktober 2019

Liebe Gemeinde,

nach einem warmen, sonnigen Sommer kehrt der Herbst ein.
Mit den dunkleren Zeiten beginnt das Ende des Kirchenjahres, das mit dem Ewigkeitssonntag am 24. November abschließt, bevor wir am 1. Advent das neue Kirchenjahr einläuten.
Am Ewigkeitssonntag werden wir der Verstorbenen gedenken.
Für viele Menschen in unserer Gemeinde ist dieser Gottesdienst zu einem besonderen Ereignis geworden, bei dem sie sich in ihrer Trauer aufgehoben fühlen und vom Licht der Ewigkeit berührt werden.
In dieser Zeit nehmen die Themen Sterben, Tod und Trauer in unserer Kirche einen besonders großen Raum ein.
Das mag der eine oder die andere merkwürdig oder sogar unangenehm finden. Sie wenden sich lieber dem Leben zu als dem Sterben. Doch das Leben gibt es ja nicht ohne das Sterben. Und jeder von uns wird in seinem Leben immer wieder damit konfrontiert. Spätestens am Ende.
Der Kabarettist und Prediger Hanns Dieter Hüsch hat einmal gesagt:
"Die Würde des Menschen besteht darin, dass wir kommen und gehen müssen.
Es macht mich heiter, dass ER bei uns ist bis zum Ende alle Tage, bis ans Ende der Welt."
Mich auch, liebe Gemeinde: Diese Hoffnung, dass Gott bei uns ist und bei uns bleibt über die Grenzen dieses Lebens hinaus.
Wie viele andere habe ich die Erfahrung gemacht, dass wir Lebenden von den Sterbenden lernen können. In allem Schmerz, in aller Traurigkeit.
"Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden", heißt es im Alten Testament, im Psalm 90. Das war übrigens mal (2015)– mitten im Sommer und nicht für alte Leute– das Motto des evangelischen Kirchentags.
In der modernen Übersetzung des Kirchentags heißt es: „Unsere Tage zu zählen, das lehre uns, damit wir ein weises Herz erlangen.“ Das weise Herz ist klug genug, die Endlichkeit des Lebens nicht zu verdrängen, aufmerksam zu sein für jeden einzelnen Tag und achtsam umzugehen mit dem eigenen Leben.“

Der Philosoph Khalil Gibran schreibt über das Geheimnis des Todes (und des Lebens):
"Ich weiß, das Geheimnis des Todes würdet Ihr gern kennen. Es gibt nur einen Weg es zu finden; schaut in euer Leben. Die Eule, die mit ihren Nachtaugen am Tag blind ist, kann das Geheimnis des Lichts nicht ergründen. Blind seid ihr ebenso für das Geheimnis des Todes; es zu schauen müsst ihr eure Herzen weit öffnen, damit das Leben einziehen kann. Denn Leben und Tod sind eins, wie der Fluss und das Meer. In euch, doch wie in Meerestiefe, liegt stille Kenntnis vom Jenseits, eingebettet in eure Hoffnungen und Sehnsüchte. Und wie Samenkörner träumend unter Schnee verborgen, so ist eure Hoffnung vom neuen Leben. Nehmt diese Träume an, sie sind das verborgene Tor zur Ewigkeit. Ist doch Sterben wie nackt im Wind zu stehen und zu vergehen, wie Schnee in der Sonne. Ist doch das Erlöschen des Atems wie das Befreitsein vom rastlosen Dahintreiben, damit das Leben emporsteigt, sich entfaltet, um unbelastet Gott zu schauen. Erst, wenn du vom Fluss der Stille getrunken hast, wird dein Gesang erklingen; erst wenn du den Gipfel des Berges erreicht hast, wirst du aufsteigen, und erst wenn die Erde deine Glieder gefordert hat, wirst du wahrhaft tanzen.“"

Viel Licht in den dunklen Zeiten, Stille und Besinnung auf Gott, den Herrn über Leben und Tod und ganz viele Freude – auch an den kleinen Dingen des Lebens, wünsche ich Ihnen, liebe Gemeinde, für diese Herbst- und Winterzeit. Auf dass es uns warm wird in der Gemeinschaft unserer Gemeinde!


Ihre Pfarrerin Elke Stamm

Juni 2019

Liebe Gemeinde,
kennen Sie dieses Gefühl, wenn Sie eigentlich satt sind, aber da doch noch dieser Appetit ist auf etwas mehr? Vielleicht ein kleiner Nachtisch, einen Espresso? Oder der kleine Hunger zwischendurch, wenn man sich eigentlich vorgenommen hatte, bis abends nichts mehr zu essen, die Schokolade oder die Chips einen dann aber doch so verführerisch anlächeln?
Manch einem geht es so vielleicht bei Nutella. Für viele Jugendliche ist es ein Muss für ein gelungenes Frühstück:
Ein richtig leckeres dick bestrichenes Nutellabrot.
Jetzt fragen Sie sich vielleicht: Was hat denn gerade ein Nutellabrot im Geistlichen Wort verloren?
Was hat ein Nutellabrot mit unserem Glauben und mit Jesus zu tun?
In Johannes 6,35 sagt Jesus über sich selbst: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern.“
Wie für viele Kinder, Jugendliche und auch manch einen Erwachsenen heute das Nutellabrot, so war zur Zeit Jesu Brot im Allgemeinen essentiell und überlebensnotwendig.
Brot des Lebens – das klingt aber schon irgendwie ganz anders als „Nutellabrot“, da steckt anscheinend mehr dahinter.
Wenn wir gemeinsam Abendmahl feiern, sprechen wir auch von diesem Brot des Lebens. „Während der Mahlzeit nahm Jesus ein Brot, sprach das Segensgebet darüber, brach es in Stücke und gab es seinen Jüngern mit den Worten: „Nehmt und esst, das ist mein Leib!“ (Mt. 26,26)
In diesem Brot des Lebens steckt also viel mehr, als in einem Nutellabrot.
Klar, Nutella hat einen ganzen Haufen Kalorien – Brot auch. Wenn man so ein Brot isst, ist man schnell satt, und der Hunger wird fürs Erste gestillt.
Allerding kommt der Hunger spätestens nach ein bis zwei Stunden wieder.
Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern.“
Den Hunger, von dem Jesus hier spricht, können wir selbst nicht stillen. Es ist ein Hunger nach mehr, ein Hunger nach Freiheit, nach Frieden, nach Vergebung, ein Hunger danach, Gott nah zu sein und seine Liebe zu spüren. Nur Jesus kann diesen Hunger stillen. Wenn wir Abendmahl feiern, denken wir daran, dass Jesus am Kreuz für uns starb, damit wir frei sein dürfen. Wir kommen ihm nah in Brot und Wein, und für diesen Moment ist unser Hunger gestillt.
Wenn wir zu Jesus kommen, fängt alles erst an. Wenn Jesus in unser Leben kommt, dann kommt er nicht einfach kurz vorbei und vergibt uns unsere Schuld, sondern er will bei uns bleiben. Kein Fünf-Minuten-Spontanbesuch, sondern ein Daueraufenthalt. Er möchte unseren Hunger stillen, indem er in unserem Leben bleibt. Ein Nutellabrot ist mehr oder weniger schnell verdaut und die Nährstoffe aufgebraucht. Jesus, das Brot des Lebens hingegen bleibt in unserem Leben. Er gibt uns Kraft zum Leben und Kraft zum Glauben.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie das auch in Ihrem Alltag spüren dürfen, wenn wieder der Hunger zwischendurch kommt. Vor allem dann, wenn es stressig wird, wenn unsere Kraft aufgebraucht scheint und alles anstrengend erscheint, wenn die eigene Energie nicht mehr reicht. Dann, wenn eigentlich das nächste Nutellabrot oder in diesem Fall das nächste Lebensbrot nötig ist.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie Gott an ihrer Seite spüren und ihm auch auf anderem Wegen als im Abendmahl nah sein können, beispielsweise im Gebet oder einer kurzen Pause draußen in der Natur, und dass Sie Ihrem Hunger nach mehr nachgehen und immer wieder neue Wegen suchen und entdecken, Gott nah zu sein.

Ihr Religionspädagoge Jakobus Launhardt

März 2019

Liebe Gemeinde,
am Aschermittwoch beginnt die Passionszeit.Dann wird in der Kirche von Jesu Leidensweg und von seinem Tod am Kreuz geredet.
Immer wieder fragen mich Leute:
Warum? Muss das sein? Könnt Ihr nicht anders von Gott reden?
Nein – meine ich – und damit bin ich mit dem Apostel Paulus einig:
Paulus sagt: Die Rede von Gott, der sich in der Tiefe des Menschseins, in Jesus Christus offenbart, muss ganz anders sein als weltliche Rede und sich menschlichen, weltlichen Maßstäben entziehen. (1. Korinther 2)
Die Rede vom Kreuz kann nach weltlichen Maßstäben gar nicht überzeugen.
Die Rede vom Kreuz, sagt Paulus, muss denjenigen eine Torheit und ein Ärgernis sein, die nicht an Jesus Christus glauben.
Unser Glaube entscheidet sich am Kreuz: Können wir daran glauben, dass unser Gott sich dort, leidend, ohnmächtig, sterbend in seiner Herrlichkeit offenbart?
Der römische Hauptmann erkennt unterm Kreuz, im leidenden, sterbenden Menschen Gott: „Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!“
So erzählen es die Evangelisten.
Das Kreuz Christi ist der Ort der Erscheinung von Gottes Kraft - jedoch verborgen unter ihrem Gegenteil: In Schwachheit, Ohnmacht und Tod.
Das ist paradox. Das kann man nicht wirklich mit dem Verstand erfassen, das kann man nur glauben und erleben. Da ist unsere weltliche Weisheit am Ende. Da gilt etwas ganz anderes:

Das Kreuz des Jesus Christus
durchkreuzt was ist
und macht alles neu
Was keiner wagt, das sollt ihr wagen
Was keiner sagt, das sagt heraus
Was keiner denkt, das wagt zu denken
Was keiner anfängt, das führt aus
Wenn keiner ja sagt, sollt ihr´s sagen
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben
Wenn alle mittun, steht allein
Wo alle loben, habt Bedenken
Wo alle spotten, spottet nicht
Wo alle geizen, wagt zu schenken
Wo alles dunkel ist, macht Licht
Das Kreuz des Jesus Christus
durchkreuzt was ist
und macht alles neu
(Lothar Zenetti)

November 2018

Wann haben Sie das letzte Mal ganz bewusst Stille erlebt?
Wenn wir ehrlich sind, dann ist es um uns herum nie wirklich ruhig. An den Orten, an denen wir leben und arbeiten, ist immer etwas los. Autos fahren vorbei, der Nachbar mäht seinen Rasen, der Postbote klingelt, Kinder spielen auf dem Spielplatz und noch vieles andere mehr. Das meiste davon ist mit Geräuschen verbunden. Meistens nehmen wir diese Geräuschkulisse gar nicht mehr wahr. Nur ihre Abwesenheit. Wenn es mal still ist um uns herum, dann schalten wir meist schnell den Fernseher oder das Radio ein. Die Stille als Abwesenheit von Geräuschen halten wir nur noch sehr schwer aus.
Dabei kann Stille so viel mehr sein! Als Jugendliche hat mich in der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé die gemeinsame Stille während der Gebetszeiten tief beeindruckt. Tausende von jungen Menschen, die zusammen Stille halten. In meiner Heimatgemeinde haben wir versucht, das in unseren Jugendgottesdiensten fortzusetzen. Sie hatten den Namen „Stille vor Gott“.
Was das Besondere an der Stille ist?
Zu einem Mönch kamen eines Tages mehrere Europäer, die ihn fragten: „Was für einen Sinn siehst du in der Stille?“ Der Mönch war gerade mit dem Schöpfen von Wasser aus einer tiefen Zisterne beschäftigt. Er antwortete lächelnd seinen Besuchern: „Schaut in die Zisterne! Was seht ihr?“ Die Europäer blickten in die tiefe Zisterne. „Wir sehen nichts.“ Nach einer kurzen Weile forderte der Mönch sie erneut auf: „Schaut in die Zisterne! Was seht ihr?“ Die Leute blickten wieder hinunter. „Ja, jetzt sehen wir uns selber!“ Der Mönch sprach: „Schaut, als ich vorher Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille. Man sieht sich selber!“
Bald ist Advent, die „stade Zeit“. Ich werde mir dieses Jahr für die Adventszeit vornehmen, jeden Morgen eine kleine „Stille“ zu halten. Zeit für mich. Zeit für Gott. Zeit, mein Leben im Licht Gottes anzusehen. Mich auf seine Ankunft hier auf Erden, in meinem Leben, vorzubereiten. Mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Ich wünsche mir, dass dadurch auch ein wenig mehr Ruhe in meinen Alltag einkehrt, dass ich nicht mehr von einem Thema zum anderen hetze, sondern mehr Ruhe empfinde und ausstrahle.
Das wünsche ich Ihnen für diese kommende „stade Zeit“ mit einem Segenswunsch:


Ich wünsche dir den Segen der Stille, die dich vor dem Lärm des Tages schützt,
und dich vor der Hast der Termine bewahrt, so dass du zu dir selbst findest.
Ich wünsche dir den Segen der Stille, damit du wieder Gedanken sammeln kannst,
die dich ein wenig vorwärtsbringen.
Ich wünsche dir den Segen der Stille, damit du wieder deinen Atem spürst
und im Schweigen auf dich hören lernst.
Ich wünsche dir den Segen der Stille, die dich auf die Stimme deines Schöpfers achten lässt,
die dir sagt, worauf du achten sollst.
Ich wünsche dir den Segen der Stille, aus der du mit Gewinn herausgehen kannst,
die Ruhe und Gelassenheit schenkt, dich stark macht mit Ausdauer und Beständigkeit.
Ich wünsche dir den Segen der Stille, die dich fähig macht,
andere gleichfalls zur Stille hinzuführen, auf dass sie ebenfalls den Segen der Stille erfahren.
(Heinz Pangels)


Ihre Pfarrerin Sabine Sommer

August 2018

Ich glaub. Ich wähl!
Der Slogan für die im Oktober anstehende Kirchenvorstandswahl ist eindeutig zweideutig. Hat man die Satzzeichensetzung der beiden Sätze nicht vor Augen, könnte dieser Slogan schnell missverstanden werden. „Ich glaube, ich wähle, so ganz sicher bin ich mir aber nicht“, so könnte die Fehlinterpretation lauten. Sie ginge in die Richtung einer Aussage, wie sie Jugendliche nur zu gerne benutzen, wenn man sie nach einer Antwort fragt. „Ich glaube, ich habe Zeit.“ „Ich glaube, das sollte ich schaffen“, sind häufige Antworten. In diesem „ich glaube“ stecken jedoch viele wenn‘s, vielleicht‘s und aber’s. Es ist keine Aussage, auf die man sich verlassen kann, wenn man eine konkrete Zusage zu einem Termin erwartet oder um das Erledigen einer Aufgabe bittet. In diesem „ich glaube“ steckt eine gewisse Unsicherheit, vielleicht auch ein bisschen der Versuch, sich nicht ganz festlegen zu wollen. Die Satzzeichen im Slogan der Kirchenvorstandswahl sind daher so wichtig, um eine klare Aussage zu erzeugen. „Ich glaub“. Es ist als ein Statement, ein Bekenntnis zu verstehen, welches wir abgeben. Ich glaube, das heißt, dass mir mein Glaube etwas bedeutet; ich stehe zu meinem Glauben! Der zweite Teil „Ich wähl“ ist eine Folge dieser Aussage. Wenn uns unserer Glaube wichtig ist, dann wollen wir uns auch beteiligen, in dem wir unsere Stimme abgeben und uns an der Wahl beteiligen und mitentscheiden, wer künftig Verantwortung in der Gemeinde tragen soll und über wichtige Fragen des Gemeindelebens entscheiden soll. Dazu haben wir die freie Wahl!

Ich glaub. Ich wähl!

Schon immer haben Menschen die Wahl und müssen Entscheidungen treffen.

Eines der bekanntesten Beispiele dafür finden wir im 1.Buch Mose in der Schöpfungsgeschichte. Gott schenkte uns Menschen einen freien Willen, eigenständige Entscheidungen zu fällen.
Manche Entscheidungen fallen uns leicht, andere hingegen sind deutlich schwerer und verlangen uns einiges ab. Die ersten Menschen trafen eine Wahl, gegen eines der Gebote Gottes zu verstoßen – und vom Baum der Erkenntnis zu essen. Letztendlich hatte dies die Verbannung aus dem paradiesischen Zustand zur Folge. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte trafen Menschen immer wieder vermeintlich falsche Entscheidungen. Dennoch gab Gott ihnen immer wieder eine neue Chance. Trotz des Wissens, dass unser freier Wille auch Verantwortung mit sich bringt, dürfen wir Gott daher besonders dankbar sein für diese neuen Chancen und die Möglichkeiten, die er uns dadurch Tag für Tag aufs Neue schenkt.

Ich glaub, Ich wähl!

Anders, als es uns bei Wahlen in der Politik und anderen Situationen unseres Lebens oft vorgegaukelt wird, haben wir in unserem Glauben eine wirklich Wahl. Wir haben echtes Mitspracherecht und sehen die direkten Auswirkungen unserer Entscheidungen. In unserem Glauben dürfen wir uns frei dafür entscheiden, wie häufig wir beten oder in die Kirche gehen, was wir glauben wollen und was nicht. Wir haben eine echte Wahl, wie wir unser Leben als Christ leben wollen.
Nicht alle unsere Entscheidungen haben weitreichende Folgen, nicht mit all unseren Wahlen können wir großes bewirken. Die Entscheidung für unseren Glauben, für unsere Überzeugung einzustehen, ist aber eine der wichtigsten überhaupt, auch wenn diese manchmal nicht einfach ist.

Daher möchte ich Sie ermutigen, Ja zu sagen zu Ihren Überzeugungen, Ja zu ihrem Glauben und mit einem neuen Bewusstsein in den Alltag zu gehen und Entscheidungs- und Wahlmöglichkeiten dankbar anzunehmen.
Gott hat uns erwählt als sein Volk und lässt uns die Wahl, wie wir als Erwählte unsere Leben führen wollen!

Ihr Religionspädagoge Jakobus Launhardt

Mai 2018

Pfingsten ist ein merkwürdiges Fest: Alle reden darüber, aber keiner geht hin.
Zur Einstimmung auf die Pfingstfeiertage wurden in einer Fernsehumfrage Passanten befragt: „Was haben Sie an Pfingsten vor?“
Die meisten wünschten sich gutes Wetter fürs Schwimmbad, für ein Grillfest oder eine Reise. Einer sagte: „Pfingsten, das gibt’s bei uns nicht!“
Gibt es bei Ihnen Pfingsten? Gehen Sie hin?
Wir Christen feiern da ja ein großes Fest. – Aber kaum einer geht hin.
An Pfingsten ist vor ungefähr zweitausend Jahren etwas Wundervolles geschehen:
Es war einige Zeit, nachdem Jesus gestorben war. Seine Freunde fühlten sich schwach und hilflos ohne ihn. Da geschah das Wunder:
Eines Tages, als sie alle beieinander saßen, spürten sie auf einmal eine starke Energie in sich, die wie ein Zauber über sie kam. Das war die Kraft des Heiligen Geistes. Plötzlich fühlten sie sich so mutig und stark wie noch nie in ihrem Leben.
Die Erinnerung an Jesus war jetzt wieder ganz lebendig.
Nun konnten sie auch anderen Menschen davon erzählen. Und sie konnten sogar Fremde verstehen und in ihren Sprachen sprechen.
So hat seit diesem Tag die ganze Welt von Jesus Christus erfahren. Und die christliche Kirche ist entstanden.
Wir feiern an Pfingsten also den Geburtstag unserer Kirche.
Ein paar freie Tage und fröhliches Feiern gehören zu so einem Geburtstagsfest genauso dazu wie die Besinnung auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.
Wir Christen glauben daran, dass die Kraft des Heiligen Geistes auch heute noch in uns wirkt und uns stark macht zum Glauben und zum Leben.
Wirklich? Können Sie daran glauben? Wir finden oft keine Worte dafür, wie der Heilige Geist in uns wirkt oder was er für uns bedeutet. Wir können ihn nicht fassen. Nur glauben, dass es ihn gibt. So wie Karl Rahner, ein großer Theologe, der wunderschöne Worte dafür findet:

Ich glaube an den Heiligen Geist.
Ich glaube, dass er meine Vorurteile abbauen kann.
Ich glaube, dass er meine Gewohnheiten ändern kann.
Ich glaube, dass er mir Phantasie und Liebe geben kann.
Ich glaube, dass er mir Warnung vor dem Bösen geben kann.
Ich glaube, dass er mir Mut für das Gute geben kann.
Ich glaube, dass er meine Traurigkeit besiegen kann.
Ich glaube, dass er mir Liebe zu Gottes Wort geben kann.
Ich glaube, dass er mir Minderwertigkeitsgefühle nehmen kann.
Ich glaube, dass er mir Kraft in meinem Leiden geben kann.
Ich glaube, dass er mir einen Bruder an meine Seite geben kann.
Ich glaube, dass er mein Wesen durchdringen kann.
Ich glaube an den Heiligen Geist.

Ihre Pfarrerin Elke Stamm